Katholischer Krankenhausverband Deutschlands e.V.

REGIONAL. BEDARFSORIENTIERT. KRISENFEST.

Ende Januar 2020 wurde in Deutschland die erste Corona-Infektion festgestellt. In einem Positionspapier unter dem Titel “Regional. Bedarfsorientiert. Krisenfest.” formuliert der Katholische Krankenhausverband Deutschlands (kkvd) ein halbes Jahr später Lehren aus der Pandemiebekämpfung. Darin kommt der Verband zum Ergebnis, dass sich die dezentrale Krankenhausstruktur in der andauernden Corona-Pandemie als sicheres Netz und Erfolgsfaktor erwiesen hat. Der kkvd spricht sich für nachhaltig gute Arbeitsbedingungen für die Klinikteams und eine Stärkung der Krankenhausseelsorge in vergleichbaren Krisen aus. Zudem berichten in dem Positionspapier Stimmen aus der Praxis über ihre Erfahrungen in den ersten Monaten der Pandemie.

Positionspapier zu Lehren aus der COVID-19-Pandemie für die Krankenhausversorgung der Zukunft
27. Juli 2020

  1. Erfolgsfaktor dezentrale Krankenhausstruktur
  2. Stabiler Sockel an Intensivkapazitäten
  3. Stärkung der sektorenübergreifenden Versorgung
  4. Nachhaltig gute Arbeitsbedingungen
  5. Mehr Investitionen in Digitalisierung und Patientensicherheit
  6. Herausforderungen für Ethik und Seelsorge
  7. Neue Ansätze zur Krankenhausfinanzierung und –planung

Zusammenfassung

Die dramatischen Bilder aus Italien, Spanien, Frankreich und den USA sind uns allen noch vor Augen. In einigen Hotspots der COVID-19-Pandemie reichten die Intensiv- und Beatmungskapazitäten in den Krankenhäusern nicht aus, um alle Patient_innen mit schweren Verläufen angemessen zu versorgen. Ärzt_innen und Pfleger_innen berichteten auf erschütternde Weise, wie sie entscheiden mussten, welche Patient_innen die knappen Behandlungsressourcen bekommen und welche nicht. Viele starben, weil sie aufgrund fehlender Kapazitäten nicht weiter behandelt werden konnten.

In Deutschland konnten solche Situationen in den zurückliegenden Wochen vermieden werden. Die erste Welle der COVID-19-Pandemie verlief hier im internationalen Vergleich mild. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Sie im Detail zu analysieren wird auch die Versorgungsforschung nun lange beschäftigen.

Regionale Netzwerke sicherten Versorgung

Deutschlandweit waren die Kliniken in Alarmbereitschaft versetzt, doch das Infektionsgeschehen verlief regional sehr unterschiedlich. Die Wahrnehmung zur Lage in den Kliniken prägen derzeit oft Bilder von leeren Fluren. Denn an vielen Orten im Land wurden die kurzfristig in den Häusern geschaffenen zusätzlichen Intensiv- und Beatmungskapazitäten nicht ausgeschöpft. Dies nun zum Indiz für überflüssige Krankenhauskapazitäten in Deutschland zu erklären, ist jedoch zynisch. Denn mit weniger Vorlauf, Erfolg und Glück bei der Pandemiebekämpfung hätten diese Ressourcen schnell entscheidend sein können.

In einigen Hotspot-Regionen in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg kamen die Ressourcen zeitweise an ihre Grenzen. Doch auch hier wurden die Patient_innen in den Krankenhäusern weiterhin auf hohem Niveau medizinisch versorgt. Überall im Land fanden sich die Kliniken über Trägergrenzen hinweg zu regionalen Netzwerken zusammen, um die Versorgung der Menschen zu sichern. Wo Intensivkapazitäten fehlten, konnten Patient_innen an andere Kliniken verlegt werden. Wo ein Pflegeheim von einer Infektionswelle überrollt wurde, nahmen zudem Krankenhäuser die pflegebedürftigen Menschen auf, um sie zu schützen und zu versorgen.

Ein frischer Blick auf die Strukturdebatte

Die dezentrale Krankenhausstruktur in Deutschland hat sich als flexibles und krisenfestes Netz erwiesen. Im Gegensatz dazu sind angesichts der COVID-19-Pandemie die Schwächen stärker zentralisierter Systeme in europäischen Nachbarländern offen zu Tage getreten. Für die notwendige Debatte über die Krankenhauslandschaft der Zukunft taugen alte Rezepte und Fingerzeige ins Ausland nicht länger. Vielmehr braucht es nun einen frischen Blick, der die Erfahrungen der bisherigen Pandemiebekämpfung und die Bedeutung der Kliniken für die Daseinsvorsorge mit einbezieht. Gerade die Abstimmung in den sektorenübergreifenden Versorgungsnetzwerken war in den Regionen sehr wirkungsvoll.

Der Katholische Krankenhausverband vertritt bundesweit 266 Krankenhäuser an 344 Standorten. Dazu gehören sowohl akademische Lehrkrankenhäuser und Kliniken der Maximalversorgung als auch Häuser mit einer mittleren bis kleinen Bettenzahl. Zahlreiche Träger sind zudem Komplexanbieter, die neben Kliniken auch Reha- und Pflegeeinrichtungen betreiben. Die Bandbreite der Erfahrungen bei den katholischen Krankenhausträgern ist somit groß. Mit diesem Positionspapier will der Verband einen Beitrag dazu leisten, Erfahrungen und Lehren aus der Bewältigung der ersten Welle der COVID-19-Pandemie zu formulieren und einzuordnen.

Das vollständige Positionspapier und Stimmen aus der Praxis zum Download im PDF-Format

Die Pressemitteilung zum Download im PDF-Format